Anfangs habe ich mich über die iPad-Käufer lustig gemacht. Das tue ich meistens, wenn irgendeine Hardware auf den Markt kommt und von einem hysterischen Hype begleitet wird. Das bleibt nach gut 30 Jahren im Umfeld der Computerbranche nicht aus. Und als PR-Mensch weiß ich natürlich zu gut, wer welche Wellen wie erzeugt. Beim iPad fanden sich – wie schon zuvor beim iPhone und anderen Apple-Produkte – reihenweise willige Missionare, die viel Zeit darauf ver(sch)wendeten, die Menschheit vom Nutzen des Tablett-Computers zu überzeugen. Und dafür nicht etwa entschädigt wurden, sondern auch noch überhöhte Investitionen riskierten – wie bei Apple üblich. Dabei fand ich das Konzept grundsätzlich spannend. Was auch damit zu tun hat, dass ich vor einiger Zeit relativ lange für Wacom tätig war, den berühmten Hersteller von Grafiktabletts; also, diese Geräte mit Stifteingabe. Bei Grafik-Designern sind die sehr beliebt, und für manche Aufgaben immer noch beinahe unentbehrlich. Im Zuge dieser Betreuung habe ich natürlich immer ein kleines Wacom-Tablett am PC gehabt, als Mausersatz. Das bringt Vorteile: Man kann den Mauszeiger direkt platzieren, ohne dass man rumschieben muss. Da wo die Stiftspitze auf das Tablett trifft, wird der Cursor auf dem Bildschirm auftauchen. Ich habe mich dann auch daran gewöhnt, handschriftliche Notizen einzugeben, Markierungen auf Dokumente zu malen und mich an der Computergrafik zu versuchen. Just an der Schwelle zum Tablet-PC – befeuert von Wacom-Technologie – war ich dann nicht mehr für dieses Unternehmen unterwegs und verpasste die nächsten Schritte. Dabei fand ich die Idee, direkt auf dem Monitor zu navigieren, naheliegend und logisch. [ weiterlesen... ]
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Ich brauch kein Tablett
Leben in der Wolke
Wolken haben mich schon immer fasziniert. Seit ein paar Jahren fotografiere ich sie in allen Lebenslagen – rund 5.000 Aufnahmen sind so zusammengekommen, ein Teil davon ist öffentlich auf Picasa zu sehen. Apropos Picasa: Natürlich habe ich die Fotos, die sich andere Leute anschauen können sollen, in der Google-Wolke abgelegt. Denn es ist ja ein großes Missverständnis, dass Cloud-Computing etwas ganz Neues, Tolles, Hippes ist. Im Gegenteil: Seitdem es das Internet gibt, gibt es auch Ansätze von Datenwolken, und spätestens mit der Ankunft von webbasierten Mail-Services wie GMX, Web.de, Hotmail etc. haben Millionen Internetnutzer persönliche Daten in Wolken gehalten. Anfangs waren es “nur” empfangene und gesendete E-Mails. Schon um das Jahr 2000 herum tricksten fähige Entwickler die Plattformen aus, indem sie Tools schufen, mit denen man auch andere Daten dauerhaft im Mail-Account speichern konnte. 2004 wurde Flickr gestartet, die Plattform für Bilder in der Wolke. Ein Jahr später kam YouTube als Pendant für Videos. Der Hype rund um die Clouds wurde von zwei Seiten befeuert. Die Leute von Amazon boten bereits 2002 ihre so genannten “Web Services” an, die im Wesentlichen die Möglichkeit mit sich brachten, eigene Daten auf Amazon-Servern abzulegen – geboren wurde die Idee angesichts der extremen Überkapazitäten der Server des Unternehmens. Zweite Startrampe für den Boom war GMail, der Maildienst von Google, der im Jahr 2004 antrat. Denn diese Plattform erlaubte es von Anfang an, auch die Daten von Anhängen dauerhaft im Mail-Account abzulegen. [ weiterlesen... ]
Join, Share, Like and Comment
Wer das Wesen der sozialen Netze verstehen will, der ist gut beraten, Analogien zum täglichen Leben in der Echtwelt zu bilden. Das gilt besonders für die vier Kernbegriffe aus dem virtuellen Sozialwesen: Join (Beitreten), Share (Teilen), Like (Mögen) und Comment (Kommentieren). Einem sozialen Netz tritt man bei wie einem Verein: Man beantragt die Mitgliedschaft und wird aufgenommen. Nachdem man aufgenommen wurde, kann man an den Aktivitäten des Clubs teilnehmen. Die anderen drei Tätigkeiten stellen die eigentlichen Grundbausteine der sozialen Interaktion dar. Share und Like können dem Themenkreis “Empfehlung” zugeordnet werden. Dabei handelt es sich vermutlich um das Thema, das mit dem größten Potenzial für umfassende, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Und zwar in einer Art nostalgischer Rückwärtsbewegung. Bevor die Massenmedien als Kanal für anonyme Empfehlungen eine Rolle spielten, wurde konsumiert, was Menschen gefiel, denen man vertraute. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde aber dem Rundfunk, dem Fernsehen und vor allem den Zeitungen und Zeitschriften eine wachsende Glaubwürdigkeit zugemessen. Damals galten Journalisten noch als unabhängig und unbestechlich, ihre Meinung wurde anerkannt, ihre Meldungen akzeptiert. Mit wachsender Durchdringung der Massenmedien mit Reklame (und auch lancierten Inhalten) nahm diese Glaubwürdigkeit ab. Die Boulevardisierung der Printmedien und die Realität des Privatfernsehens taten ein Übriges. [ weiterlesen... ]
Der Mythos der Masse
Jens Scholz hat auf Meedia einen hoch interessanten Artikel über die wahre Bedeutung von Friends und Followern veröffentlicht. Seine Hauptthese: Die nackten Zahlen bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzen geben wenig Aufschluss darüber, ob und in welchem Maße solche Friends und Follower wirklich aktiv sind. Tatsächlich kostete es ja nur einen Klick auf den “Gefällt mir”-Button, um Fan einer Seite zu werden. Ob der so registrierte User aber jemals wieder auch nur einen Blick auf diese Seite wirft, kann niemand vorhersagen und nur der Administrator der Seite beurteilen. Denn dem liefert Facebook ja genau die gewünschten Aktivitätsdaten. In diesen Tagen wird das Prinzip der Facebook-Page-Fans einem großen Realitätstest unterzogen. Die Aktivisten der Pro-Guttenberg-Fraktion auf Facebook hat zu realen Demonstrationen aufgerufen. Wie viele Menschen von den fast 500.000 Seiten-Fans tatsächlich auf die Straßen gehen werden wird Rückschlüsse darauf erlauben, welches Maß an Aktivität ein Like-Klick hervorruft.
Die sieben Mythen der Debatte um Qualiätsjournalismus
Wolfgang Blau, Chefredakteur von ZEIT ONLINE, entmystifiziert sieben gern genannte Ansichten zum Verhältnis von Internet und Journalismus. Das auf eine sehr sachliche, klare und angenehme Art.