Wer das Wesen der sozialen Netze verstehen will, der ist gut beraten, Analogien zum täglichen Leben in der Echtwelt zu bilden. Das gilt besonders für die vier Kernbegriffe aus dem virtuellen Sozialwesen: Join (Beitreten), Share (Teilen), Like (Mögen) und Comment (Kommentieren). Einem sozialen Netz tritt man bei wie einem Verein: Man beantragt die Mitgliedschaft und wird aufgenommen. Nachdem man aufgenommen wurde, kann man an den Aktivitäten des Clubs teilnehmen. Die anderen drei Tätigkeiten stellen die eigentlichen Grundbausteine der sozialen Interaktion dar. Share und Like können dem Themenkreis “Empfehlung” zugeordnet werden. Dabei handelt es sich vermutlich um das Thema, das mit dem größten Potenzial für umfassende, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Und zwar in einer Art nostalgischer Rückwärtsbewegung. Bevor die Massenmedien als Kanal für anonyme Empfehlungen eine Rolle spielten, wurde konsumiert, was Menschen gefiel, denen man vertraute. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde aber dem Rundfunk, dem Fernsehen und vor allem den Zeitungen und Zeitschriften eine wachsende Glaubwürdigkeit zugemessen. Damals galten Journalisten noch als unabhängig und unbestechlich, ihre Meinung wurde anerkannt, ihre Meldungen akzeptiert. Mit wachsender Durchdringung der Massenmedien mit Reklame (und auch lancierten Inhalten) nahm diese Glaubwürdigkeit ab. Die Boulevardisierung der Printmedien und die Realität des Privatfernsehens taten ein Übriges. [ weiterlesen... ]
Join, Share, Like and Comment
Der Mythos der Masse
Jens Scholz hat auf Meedia einen hoch interessanten Artikel über die wahre Bedeutung von Friends und Followern veröffentlicht. Seine Hauptthese: Die nackten Zahlen bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzen geben wenig Aufschluss darüber, ob und in welchem Maße solche Friends und Follower wirklich aktiv sind. Tatsächlich kostete es ja nur einen Klick auf den “Gefällt mir”-Button, um Fan einer Seite zu werden. Ob der so registrierte User aber jemals wieder auch nur einen Blick auf diese Seite wirft, kann niemand vorhersagen und nur der Administrator der Seite beurteilen. Denn dem liefert Facebook ja genau die gewünschten Aktivitätsdaten. In diesen Tagen wird das Prinzip der Facebook-Page-Fans einem großen Realitätstest unterzogen. Die Aktivisten der Pro-Guttenberg-Fraktion auf Facebook hat zu realen Demonstrationen aufgerufen. Wie viele Menschen von den fast 500.000 Seiten-Fans tatsächlich auf die Straßen gehen werden wird Rückschlüsse darauf erlauben, welches Maß an Aktivität ein Like-Klick hervorruft.
Die sieben Mythen der Debatte um Qualiätsjournalismus
Wolfgang Blau, Chefredakteur von ZEIT ONLINE, entmystifiziert sieben gern genannte Ansichten zum Verhältnis von Internet und Journalismus. Das auf eine sehr sachliche, klare und angenehme Art.
Demnächst: Noch mehr Online-PR
Wenn ein Buchtitel über einen relativ langen Zeitraum regelmäßig annähernd gleiche Verkaufszahlen vorweisen kann, nennt man ihn einen “Longseller”. Was ein langer Zeitraum ist, hängt vom Fachgebiet ab. Mein Buch “Erfolgreiche Online-PR” ist nun seit anderthalb Jahren auf dem Markt und verkauft sich gleichmäßig. Das hat den Verlag Data Becker bewogen, mir eine deutlich erweiterte Neuauflage vorzuschlagen. Die Idee ist, so eine Art “Bibel der Online-PR” zu schaffen. Mir gefällt der Vorschlag – auch weil mich inzwischen ein bisschen das schlechte Gewissen quält.
Denn im Frühjahr 2009, als ich an dem Buch arbeitet, war ich gegenüber allen PR-Maßnahmen in dem, was heute meist “Social Web” genannt wird, sehr skeptisch eingestellt – und habe das Thema konsequent ignoriert. Ebenfalls zu kurz kam – das wurde auch von Rezensenten angemerkt – die klassische Pressearbeit im virtuellen Raum. Auch dieses Thema wird in der Neuauflage intensiv verarbeitet werden. Schließlich würde ich im Theorieteil mehrere gängige Modelle der Öffentlichkeitsarbeit vorstellen, jeweils unter besonderer Berücksichtigung ihrer Relevanz für die Online-PR.
Geplant ist, dass die Online-PR-Bibel im Frühsommer auf den Markt kommen soll – was bedeutet, dass ich bald anfangen müsste.
PR auf Wikipedia???
Seit etwa fünf, sechs Jahren arbeite ich an der deutschen Wikipedia mit. Meistens nehme ich Korrekturen an Artikeln vor, deren Inhalte mit meinen Interessen (Fußball, Fortuna Düsseldorf, Düsseldorf, Altbier etc.) zu tun haben. Vor etwa einem Jahr begann ich dann, in der Wikipedia nach Artikeln zu suchen, die meine Kunden zum Thema haben. Natürlich erfüllt noch lange nicht jedes Unternehmen die – im Übrigen höchst sinnvollen! – Relevanzkriterien. Dass aber die RAG Montan Immobilien seinerzeit nur in einem einzigen Satz als Kapitel im Artikel zur RAG Aktiengesellschaft vorkam, fand ich angesichts der Bedeutung des Unternehmens für den Strukturwandel im Ruhrgebiet und an der Saar schade. Also verfasste ich einen eigenen Artikel für diesen Kunden und stellte ihn zur Freigabe ein. Rasch kam es zu einem Löschantrag, weil die RAG Montan Immobilien im Hinblick auf Umsatz und Mitarbeiterzahl die Relevanzhürde für Unternehmen nicht nehmen konnte. Da machte ein Wikipedia-Kollegen den Vorschlag, eine leicht gekürzte Version meines Artikels als neues Unterkapitel beim Eintrag für die Konzernmutter unterzubringen. Das tat sich, und hatte damit zum ersten mal das (eher ungute) Gefühl, PR auf Wikipedia betrieben zu haben. Natürlich diskutierte ich diese Bedenken mit Personen aus dem Wikipedia-Umfeld, aber auch mit PR-Experten. Das Ergebnis: Eigentlich waren wir Diskutanten uns am Ende einig, dass es nicht die Tatsache ist, dass PR-Leute Wikipedia-Einträge für Unternehmen anlegen, sondern ob die Inhalte in jeder Hinsicht wikipedia-konform sind. [ weiterlesen... ]