Jetzt ist beim Verlag Data Becker mein neues Facebook-Buch erschienen. Dabei handelt es sich um eine grundsätzlich überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Version dieses Titels aus dem Vorjahr. Entstanden ist das Manuskript bereits im Frühjahr, Mitte Mai ging es ins Lektorat. Das bedeutet, dass inzwischen schon wieder mehr als zwei Monate vergangen sind. Und das heißt im Facebook-Kosmos: Vieles ist nicht mehr wie es war. Dieser Effekt war mir vorher bewusst, deshalb habe ich an einigen Stellen die Konkretisierung weggelassen und nur das Prinzip einer Funktion oder Darstellung beschrieben.
Nun stelle ich mit Entsetzen fest, dass gut 20 Prozent aller Screenshots schon nicht mehr den Status quo zeigen, sondern wieder veraltet sind. Das hat bei mir die Grundsatzfrage aufgeworfen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, zu den volatilen Dingen im Web Bücher zu schreiben, also real in der Hand zu haltende Druckerzeugnisse. Mir scheint gerade für Bücher dieses Typs das eBook die richtige Publikationsform, weil hier nicht nur extrem zeitnah veröffentlicht, sondern auch kontinuierlich aktualisiert werden kann. Da müsste man dem Käufer allerdings auch eine Art “Abo” anbieten, sodass er sich die aktualisierten Fassungen jederzeit herunterladen kann. Und damit würde sich die Distribution von Sach- und Fachliteratur der von Software mit den Prinzipien von Update und Upgrade sehr annähern.
Wer das Wesen der sozialen Netze verstehen will, der ist gut beraten, Analogien zum täglichen Leben in der Echtwelt zu bilden. Das gilt besonders für die vier Kernbegriffe aus dem virtuellen Sozialwesen: Join (Beitreten), Share (Teilen), Like (Mögen) und Comment (Kommentieren). Einem sozialen Netz tritt man bei wie einem Verein: Man beantragt die Mitgliedschaft und wird aufgenommen. Nachdem man aufgenommen wurde, kann man an den Aktivitäten des Clubs teilnehmen. Die anderen drei Tätigkeiten stellen die eigentlichen Grundbausteine der sozialen Interaktion dar. Share und Like können dem Themenkreis “Empfehlung” zugeordnet werden. Dabei handelt es sich vermutlich um das Thema, das mit dem größten Potenzial für umfassende, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Und zwar in einer Art nostalgischer Rückwärtsbewegung. Bevor die Massenmedien als Kanal für anonyme Empfehlungen eine Rolle spielten, wurde konsumiert, was Menschen gefiel, denen man vertraute. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde aber dem Rundfunk, dem Fernsehen und vor allem den Zeitungen und Zeitschriften eine wachsende Glaubwürdigkeit zugemessen. Damals galten Journalisten noch als unabhängig und unbestechlich, ihre Meinung wurde anerkannt, ihre Meldungen akzeptiert. Mit wachsender Durchdringung der Massenmedien mit Reklame (und auch lancierten Inhalten) nahm diese Glaubwürdigkeit ab. Die Boulevardisierung der Printmedien und die Realität des Privatfernsehens taten ein Übriges. 