Da fahren wir seit über 20 Jahren hin. Da kennen wir uns aus, und die Fahrt von Düsseldorf dorthin dauert nur um die dreieinhalb Stunden. Auch das wäre besser für unseren alten, kranken Hund. Als Quartier haben wir uns für ein Ferienhaus Achter de Botter entschieden. Auch dort hatten wir schon verschiedene Häuser gemietet. Clooneys erste Reise führte nach Zoutelande, wo wir im Bottertje wohnten. In der kleinen Anlage war allerdings nur die Aurora frei, eines der Häuschen, das wir noch nicht kannten.
Freitag, 19. Juni
Am Freitag, dem Anreisetag, war es auch schon recht heiß. Die Sonne stand hoch und schien durchgehend aufs Autodach, die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Wie heiß es wirklich war, merkten wir, als wir nach der Hälfte der Zeit eine kurze Pause auf einem Parkplatz an einem See einlegten. Clooney sah angeschlagen aus und hechelte stark. Die immerhin auch schon zwölf Jahre alte Galgo-Hündin Holly schien dagegen unbeeindruckt. Dass es hinten im Gepäckabteil viel wärmer war als vorne, war uns nicht bewusst. Jedenfalls ging es Clooney nach der Ankunft richtig schlecht. Er hechelte stark, sodass wir ihn in den Schatten brachten. Aber es wurde noch schlimmer. Bald war zu spüren, dass er kaum noch Luft bekam. Wir waren in Panik: Der Rüde musste dringend zu einem Tierarzt.
Zum Glück fand ich rasch eine Praxis in der Nähe und rief an. Das Gespräch gestaltete sich schwierig, denn der Tierarzt verstand kaum Deutsch oder Englisch. Ja, wir könnten kommen, hieß es schließlich. Der Veterinär gab eine Adresse in Meliskerke an, rund acht Kilometer entfernt. Wir starteten sofort. Raus aus Zoutelande, durch Meliskerke hindurch; laut Navi weiter. Eine schmale Straße durch Felder und Wiesen, am Horizont ein Wäldchen. Das mussten wir umfahren, um schließlich auf dem Anwesen von Rob Roskam anzukommen, mehrere leicht angeranzte Gebäude, jede Menge Hühner und ein Pfau rannten herum.
Der Tierarzt wirkte wie eine Karikatur: ein dünner, langer Typ mit weißen, wuscheligen Haaren und runder Brille, ein wenig wie Catweazle. Die Verständigung war schwierig. Sein Behandlungsraum war deutlich in die Jahre gekommen. Er untersuchte Clooney und maß Fieber. 40,7 Grad – eigentlich schon fast tödlich, zumindest aber lebensgefährlich. Vor lauter Stress kackte Clooney gleich einmal in den Raum. Roskam gab ihm eine Cortison-Spritze und führte uns in den Hinterhof. Da begann er, den Hund mit nassen Tüchern und Wasser aus einem Schlauch mit Brause zu kühlen. Immer wieder nasse Handtücher auf den Puls an allen vier Läufen, mehr Wasser auf die Seiten und dann auch von oben. Clooney ließ sich das recht ruhig gefallen, hechelte aber immer noch stark. Über eine Stunde zog sich die Prozedur hin. Dann maß der Veterinär noch einmal die Temperatur – nur noch 39,7. Das Schlimmste hatte Clooney überstanden.
D. hatte beim Tierarzt noch das Honorar zu zahlen. Ich ging mit beiden Hunden raus. Als Holly den Pfau sah, rastete sie aus und sprang los. Blöderweise hatte ich ihre Leine noch nicht richtig gefasst, sodass ich mir beim Versuch, sie zu bremsen den halben Nagel am linken Ringfinger abriss. Die Blutung ließ zum Glück schnell nach, aber seitdem musste ich den Nagel mit Pflaster schützen.
Als wir wieder an der Aurora ankamen, atmete er wieder normal, legte sich auf die Wiese und sah, als sei nichts geschehen. Wir waren erleichtert. War es unsere Schuld, dass uns Clooney beinahe weggestorben wäre? Hätten wir bemerken müssen, dass es für ihn während der Fahrt zu heiß war? Wir machten uns Vorwürfe. Immerhin kam der Rüde in den folgenden Tagen erstaunlich gut mit der Hitze klar.
Während D. unsere Sachen verräumte, fuhr ich zum Jumbo nach Zoutelande zum Einkaufen. Dann nahmen wir die Aurora näher in Augenschein und waren entsetzt. Alles wirkte total gebraucht, auch wenn das Mobiliar noch gar nicht so alt zu sein schien. Die Küche aber war auf dem Stand der Achtzigerjahre. Und das Bett im Schlafzimmer nur einsvierzig breit, dazu nur eine Bettdecke. Aus dem Alter sind wir raus, uns ein solches Bett zu teilen. Im schmalen Nebenzimmer gab es ein Stockbett, und D. bot an, dort zu schlafen. Die Dusche sah auf den ersten Blick gut aus, aber die im selben Abteil angebrachte Kloschüssel war der Witz: so klein, dass normale Erwachsene kaum ihren Hintern darauf unterbringen konnten. Dazu ein Garten, den man so nicht nennen sollte: eine unebene, von Wühlmäusen geplagte Wiese, teils so schräg, dass man keinen Stuhl aufstellen konnte.
Jedenfalls kochte ich; es gab Spaghetti mit mitgebrachter Bolognese. Dazu tranken wir Heineken und Grolsch aus Dosen, wie wir das in Holland immer so machen. Zubereitet auf einem antiken Gasherd mit vier Flammen, beim Anzünden mit dem Feuerzeug verbrannte ich mir die Finger. An den folgenden Tagen wurde es einfacher, weil wir Zündhölzer anschafften. Der Kühlschrank ein Witz. Brachte die eingelagerten Lebensmittel mit Mühe auf kühle Temperaturen, das Eisfach mit kaum mehr Platz als für zwei kleine Eisbecher. Wir waren frustriert. Immerhin funktionieren Wlan und Fernseher.
Und dann die Nacht. Gegen eins zogen schwere Gewitter über die Küste. Clooney in Panik. Ich lag im Bett und wollte lesen; der Hund stand vor mir und hechelte mir mit nackter Angst in den Augen ins Gesicht. Ich setzte mich auf die Bettkante und versuchte ihn zu beruhigen. Ohne Erfolg. Ich holte sein Kissen und legte es neben das Bett. Nach mehr als einer Stunde zwang ich ihn, auf dem Kissen Sitz zu machen. Endlich legte er sich ab und stellte das Hecheln ein. Vorübergehend. Er tigerte durchs Haus und kackte aus lauter Stress in den Raum. Saubermachen. Wieder beruhigen. Gegen drei Uhr waren die Gewitter durch, und wir konnten endlich schlafen.
Samstag, 20. Juni
Am Samstagmorgen nahm ich die Hunde nach dem ersten Kaffee und ging mit ihnen eine Runde. Wie üblich in den Wald hinter den Häusern, vor bis zur Straße und auf den Duinweg. Vorbei am Beachhotel, in dem wir mit den Hunden auch schon dreimal für ein paar Tage gewohnt haben. Schien komplett ausgebucht. Und zurück. Alles ziemlich entspannt. Aber dann wurde es heißer und heißer; nachmittags gegen 16 Uhr waren es über 30 Grad. Wir hielten uns im Schatten auf, mehr ging nicht. Abends gegen 19 Uhr fuhr ich in unser geliebtes Koudekerke, wo wir über Jahre die Weihnachtstage in der immergleichen Ferienwohnung verbracht haben. Zuerst machte ich Station am dortigen Jumbo, um noch ein paar Sachen einzukaufen, dann steuerte ich den Imbiss an.
Früher war das John’s Frituur, geführt von einem ehemaligen Fernfahrer gemeinsam mit seiner Frau und dem Sohn. Die besten Pommes weit und breit! Vor ein paar Jahren hat sich John zur Ruhe gesetzt. Jetzt heißt der Laden Cafetaria Etenstijd, aber das Angebot ist immer noch dieselbe, die Qualität auch. Spezialität sind die hausgemachten Fleischkroketten, die auch die neuen Inhaber anbieten. Die Cafetaria ist am Samstagabend Treffpunkt der Einheimischen, die dort das Abendessen holen, Touristen findet man dort nicht. Während ich wartete, begann am großen Fernseher im Gastraum gerade das erste Spiel der Niederlande bei der WM. Friets, Frikandel und Kroket draußen vor dem Haus zu essen, vermittelte dann endlich wenigsten ein bisschen Zoutelande-Feeling.
Und dann leider die zweite Gewitternacht in Folge, heftiger als am Vortag. Clooney war überhaupt nicht zu beruhigen. Dieses Mal kümmerte sich D. und siedelte auf die Couch um. Gegen vier Uhr morgens sei er endlich zur Ruhe gekommen. Mit Urlaub und Erholung hatten die ersten beiden Tagen nichts zu tun.
Sonntag, 21. Juni
Auch sonntagmorgens drehte ich wieder die bekannte Hunderunde, allerdings in umgekehrter Richtung. Vom Ende des Waldwegs zum Eingang der Anlage muss man ein Stück die Straße entlanggehen, wo schon morgens Massen an Radlern unterwegs waren. Beim Versuch auszuweichen, trat ich auf den Kantstein und stürzte. Ich fiel ganz gut. Zwei Frauen hielten sofort an und wollten helfen. Ob ich zum Arzt müssen? Ich verneinte, und die eine der beiden half mir beim Aufstehen. Leider hatte ich mir den rechte Unterarm angeschlagen. Im Häuschen verarztete D. die Wunde, die trotz der Hitze der nächsten Tage gut verheilte.
Jede Menge Tagesgäste im Ort und wohl auch am Strand. Mit den Hunden tagsüber dorthin zu gehen, daran war bei der Hitze nicht im Mindesten zu denken. Die beste Art, die Temperatur auszuhalten: lauwarm duschen und sich nackt in den Schatten zu setzen. Zum Glück hatte ich reichlich frischen Lesestoff auf dem E-Reader. Allein an den ersten drei Tagen las ich zwei Romane von Patrick Modiano sowie die merkwürdige Novelle „Glück“ des Kultautors Gaito Gasdanow, einem Exilrussen, der in den Vorkriegs- und Kriegsjahren in Paris gelebt hat. Außerdem schrieb ich eine kleine Horrorgeschichte mit dem Titel „Immer geradeaus“, die auf einem Traum basiert, den ich in der ersten Gewitternacht hatte. Natürlich wollten wir endlich das Meer sehen. Gegen 20 Uhr hatte es sich dann so abgekühlt, dass wir mir mit Clooney und Holly in den Ort fuhren und am Hotel Tien Torres vorbei runter an den Strand gingen, wo wir lagerten und Bier tranken. Das war schön.
Montag, 22. Juni
Noch früher als zuvor ging ich an diesem Morgen mit Clooney und Holly auf die Morgenrunde. Dieses Mal durch unbekanntes Gelände bis zu einer Ferienanlage, die ich in all den Jahren noch nie gesehen hatte. D. fuhr nach Vlissingen einkaufen, und die Hunde und ich drückten uns ums Haus und später im Schatten herum. Wir Menschen tranken viel, viel Wasser und bewegten uns wenig.
Eigentlich hatte ich geplant, so wenig wie möglich selbst zu kochen, aber außer Pommes aus Koudekerke fielen uns wenige Fertiggerichte als Alternative ein. Also bereitete ich die bewährte Hühnchen-Zucchini-Pfanne mit Zitronensauce zu, die wir in Zoutelande schon so oft hatten. Nach 20 Uhr stiegen wir zum ersten Mal wieder über die Düne direkt am Appartementhaus Duinoord. Da geht es erst recht sanft, dann aber richtig steil hoch. Zwei Treppen führen hinunter an den Strand: die mit fast 100 Stufen zum Strandrestaurant Zeeuwse Riviera, ein wenig weiter Richtung Ort eine mit 60 Stufen; beide für Clooney kaum noch zu schaffen. Also suchten wir uns eine Bank oben am Weg, der auf dem Kamm der Düne von Zoutelande bis nach Dishoek führt und genossen die sinkende Sonne und den Ausblick übers Meer bis zur belgischen Küste. Leute mit und Hund kamen vorbei, und wir hielten nette Schwätzchen mit ihnen. Das war schön.
Dienstag, 23. Juni
Am Dienstag drehte D. morgens die Hunderunde. Ich fuhr später einkaufen und genoss den stark gekühlten Supermarkt. Hatte eine Liste von möglichen Fertiggerichten aufgestellt und suchte danach. Nicht nur im Urlaub halte ich gern Mittagsschlaf. Gegen halb zwölf, zwölf werden die Hunde abgefüttert, und ich leg mich hin. Inzwischen war aber das Schlafzimmer so aufgeheizt, dass an ein erholsames Nickerchen nicht zu denken war. Und dann fasste ich auch noch den blöden Entschluss, nachmittags eine Runde an den Strand zu gehen. Mit Hut und Sonnenbrille machte ich mich gegen vier auf den Weg. Hoch am Tien Torres, runter an den glühenden Strand. Füße ins Wasser. Zum ersten Mal bekam ich ernsthafte Angst vor der Hitze, als ich schweratmend die 60-Stufen-Treppe erklomm. Der Puls schlug hoch, und mir war leicht schwindelig. Schaffte es aber zurück in die Aurora, wo mir nur die übliche lauwarme Dusche helfen konnte. Abends gab’s ein Gericht, das wir „Hackrika“ getauft haben: Hackfleisch wird mit Zwiebeln und Paprika gebraten, dazu gibt’s sonst Spätzle, die in Holland aber nicht zu haben sind.
Eine Art Tagesrhythmus hatte sich also eingependelt: morgens um acht, halb neun nach dem ersten Kaffee mit Clooney und Holly durch den Wald; während D. gleich nach dem Aufstehen frühstückt, ess ich zum ersten Mal so um elf; dann werden die Mäuse abgefüttert; es folgt der Mittagsschlaf; danach irgendwie die Hitze überleben; die Hunde bekommen um sieben die zweite Mahlzeit; danach essen wir Menschen, und gegen acht fahren wir alle ans Meer.
Mittwoch, 24. Juni
Die Hunde kommen erstaunlich gut mit der Hitze klar, wobei Holly ungewohnt schlapp ist. Außerdem scheint sie ein Magenproblem zu haben, denn an diesem Tag frisst sie nicht. Das ist ein Alarmzeichen, denn unser Galgo-Mädchen liebt das Fressen mehr als alles andere. Verrückt genug, dass es mit Clooney genau umgekehrt ging: der Rüde, der gern mäkelt, fraß wie ein Scheunendrescher, was wir ihm vorsetzten.
Heute war der bisher heißeste Tag hier – so um die 36 Grad. Als wir vor zwei Jahren auch in Zoutelande waren, war es ebenfalls ziemlich heiß, aber nicht annähernd so wie dieser Tage. Im Inneren der Aurora ist es kaum kühler, und über Tag ist es nur im Schatten auszuhalten. Immerhin liegt der Tisch draußen zum Abendessen nicht mehr in der Sonne. Es gab ein korsisches Omelette mit Ziegenkäse; leider hatte ich Minze vergessen. Danach fuhren wir wieder an den Strand, und D. ging sogar im Meer baden.
Donnerstag, 25. Juni
Was die Hitze betrifft: keine Veränderung. Lauwarm duschen, nackt im Schatten trocknen. Anders ging’s nicht. Und viel trinken. Wir haben in den fünf Tagen bisher schon mehr als neun Liter Wasser in uns hineingefüllt. Und weil es bei der Wärme und an dem antiken Gasherd keinen Spaß macht zu kochen, habe ich ein Fertiggericht aus dem Jumbo mitgebracht: Bami Goreng. Oh Wunder, die ebenfalls antike Mikrowelle kriegte den Fraß warm. Aber diese Mahlzeit war ein Skandal. Eine Schale voller Nudeln, minimal gewürzt. Darin auf rund 400 Gramm etwa ein Esslöffel einer rosa Masse, die Schinken darstellen sollte und etwas dieselbe Menge einer gelben Masse, die als Ei durchging – ekelhaft!
Heute sind wir zu faul für den Gang ans Meer. Später schauten wir uns die peinliche Niederlage der DFB-Elf gegen Ecuador an. Lief ja sonst nichts im TV.
Freitag, 26. Juni
Das regelmäßige Checken der diversen Wetter-Apps gehört inzwischen zur Routine. Übereinstimmend versprechen diese, dass am Freitag zum letzten Mal der Hitzedom über uns herrschen soll. Ich dreh morgens so ab acht Uhr die Hunderunde. Beide Hunde sind schlapp, und sogar die unverwüstliche Holly leidet, was sich auch darin zeigt, dass diese ansonsten futtergeile Hündin nicht fressen mag.
Über Tag habe ich einen Nudelsalat gezaubert, zu dem es abends Würstchen geben soll. Nachdem es sich nachmittags schon ein wenig abgekühlt hat, war es später am Strand sehr, sehr angenehm. Nur drinnen im Häuschen ist es immer noch fast zu warm zum Schlafen.
Samstag, 27. Juni
Über Nacht habe ich Magenprobleme bekommen. D. geht an meiner Stelle mit den Hunden. Draußen ist es an diesem Morgen bedeckt und beinahe kalt. Auf dem Tisch und der Wiese liegt Tau. Dann kommt die Sonne raus, aber die Luft erhitzt sich nicht so stark. Dafür immer wieder immer mehr Wolken, und die Wetter-Apps sagen Regen und Gewitter voraus. Auch wenn sich schon morgens gegen zehn dunkle Wolken rundherum zusammenballen, passiert noch nichts.
Klar, das wirklich heftige Gewitter kommt erst nachts um ein. Und schon spielt Clooney wieder verrückt. Erst so in Panik, dass er beim Versuch in mein Bett zu steigen an die Matratze pinkelt. D. kommt zur Hilfe, aber der Rüde ist nicht zu beruhigen. Gegen drei ist das Unwetter vorüber, und gegen vier kommt er zur Ruhe. Wir wünschen uns nichts mehr, als in einem ordentlichen Bett eine Nacht durchzuschlafen.
Die leckeren Fritten und Kroketten von der Etenstijd in Koudekerke haben den Tag auch nicht rausgerissen.
Sonntag, 28. Juni
D. leidet die ganze Zeit unter Bewegungsmangel. Würde sich gern ein e-Bike ausleihen, ist aber von der Tagesmiete von 38 Euro abgeschreckt. Heute ist richtig schön, sodass ich morgens eine richtige Dünenrunde mit den Hunden gehe. Und weil’s so schön ist, gehe ich abends noch einmal allein hinunter an den Strand. Erst steil hoch auf die Düne, dann die rund 100 Stufen abwärts zum Strandrestaurant Zeeuwse Riviera. Tiefe Ebbe gerade, weiter Weg bis zum Wasser. Pause auf einem Poller sitzend. Zurück am Tien Torres vorbei.
Abends TK-Loempias, die aber auch nicht wirklich lecker sind. Immerhin aber wir durchgehend Grolsch und Heineken im Kühlschrank.
Tja, und auch in dieser Nacht gibt’s Gewitter und dazu den völlig panischen Clooney…
Montag, 29. Juni
Alles nervt. Wir diskutieren über das Urlaubmachen. Mit dieser Form – Ferienhaus und Selbstversorgung – sind wir irgendwie durch; das letzte Mal, dass wir auf diese Weise schöne Ferientage hatten, war, als wir im September 2018 in Mimizan an der französischen Atlantikküste waren. Da hat alles gepasst. Natürlich auch, weil Clooney noch total fit war mit seinen damals fünf Jahren. Danach hatten wir aber auch oft Pech mit unseren Unterkünften: 2019 in der Normandie zum Beispiel, oder 2023 in Ferch am Schwielowsee. 2020 wohnten wir in einem fast luxuriösen Haus am Ortsrand von Zoutelande, das Freunde gehörte, aber da war uns nach einer Woche langweilig. 2021 haben wir nach meinem Krankenhausaufenthalt nur eine Woche im Appartementhaus in Zoutelande verbracht, fällt kaum unter den Begriff Urlaub. 2022 mussten wir dann zu einer bestimmten Zeit irgendwohin, weil in unserer Wohnung nach einem Wasserschaden das Parkett erneuert werden musste. Wir landeten in einem Ferienpark in der Eifel, wo alles scheiße war. Nach diesen Erfahrungen sind wir im vergangenen Jahr im Sommer gar nicht in Urlaub gefahren.
Tatsächlich ist es aber so, dass wir so lange keine andere Art Urlaub machen können, so lange Clooney noch lebt, weil er keine langen Autofahrten (nicht einmal bis Bayern oder Brandenburg) mehr aushalten würde, und Flugreisen fallen grundsätzlich aus. Wobei: Holly könnte man vermutlich sogar im Flieger mitnehmen, egal wohin, die passt sich überall ein. Und weil wir den alten Hundemann auch nicht mehr, nicht einmal für Tage, bei Freunden unterbringen können, fallen auch Städtereisen aus. Wir wünschen uns, dass Clooney auch seinen 14. Geburtstag noch überlebt und wir im kommenden Jahr dann eben gar nicht verreisen.
Dienstag, 30. Juni
Clooney wird heute 13 Jahre alt. Das ist schön, denn schon vor zwei Jahren sah es so aus, als habe er nicht mehr lange zu leben. Erst die Hitzefolgen im Sommer 2024, dann die beginnende Demenz und dazu die immer weiter abnehmende Muskulatur an den Hinterläufen. Aber unser lieber Junge, der sture Bock, hält sich wacker. Der Morgen empfängt mich richtig kühl und mit Nieselregen.
Mittags frage ich D., ob wir nicht verkürzen und schon am Mittwoch heimfahren sollen. Sie meint, am liebsten würde sie heute noch fahren. Beschlossen und verkündet. Wir packen und sind gegen vier reisefertig. Gebe Schlüssel und Energiekarte bei Saskia ab. Ja, bei Koppejan ist noch der Energieverbrauch zu zahlen, was kaum noch ein Vermieter macht. Zu jedem Haus gehört eine blassgrüne Pappkarte im Format DIN A4, auf der die Zählerstände einzutragen sind – alles wie vor vierzig Jahren.
Die Fahrt ist relativ entspannt, die Temperatur erträglich. Und um acht Uhr abends sind wir wieder zu Hause.
